Wie du deinem Papagei beibringst, auf deine Hand zu steigen

Dieser Artikel zeigt dir, wie du deinem Papagei beibringen kannst, auf deine Hand zu steigen.

Aber dieser Artikel zeigt dir noch viel mehr: Du bekommst eine komplette Einführung in das Target-Training.

Mit dem Target-Training kannst du deinem Papagei mit Hilfe eines Stäbchens zeigen, was er tun soll. Auf diese Weise kannst du ihn „dirigieren“ und ihm eine Fülle unterschiedlicher Tricks beibringen.

Außerdem ist das Target-Training ist eine der besten Methoden, um eine gute Beziehung zu deinem Papagei aufzubauen und Verhaltensstörungen vorzubeugen (oder, um ihm ungewolltes Verhalten abzugewöhnen).

Du kannst das Target-Training nutzen, um:

  • Deinen Papagei schlechte Angewohnheiten wie Beissen, Schreien oder Rupfen abzugewöhnen
  • In kurzer Zeit verblüffende Tricks beizubringen
  • Tierarztbesuche nahezu stressfrei zu erledigen

Kurz gesagt: Das Target-Training schafft eine Grundlage für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dir und deinem Papagei. Er erkennt, dass du ihm nicht ans Gefieder willst und bekommt durch die kleinen Übungen eine tolle Abwechslung in seinem Papageienalltag.

Aber wie solltest du damit anfangen?

Wähle die richtige Belohnung aus

Um deinem Papagei etwas beizubringen, musst du erwünschtes Verhalten konsequent belohnen – und unerwünschtes Verhalten konsequent ignorieren.

Jedes mal, wenn er tut, was du von ihm möchtest, musst du ihm zeigen, dass er sich in Zukunft immer so verhalten soll.

Die beste Art der Belohnung ist ein verbales Signal plus ein kleiner Leckerbissen. Konkret könntest du das Wort „gut“ sagen und ihm anschließend eine Weintraube geben.

Im Fachjargon sagt man dazu auch „Verstärker“ – eben weil die Belohnung das gewollte Verhalten verstärkt.

Wichtig ist, dass du eine breite Auswahl an Verstärkern zur Verfügung hast, damit es für deinen Papagei nicht langweilig wird. Du musst dafür sorgen, dass der Drang deines Papageis, den Verstärker zu erhalten, bestehen bleibt. Das schaffst du am Besten durch eine Vielfalt verschiedener Belohnungs-Leckerbissen. Stell‘ dir einfach vor, du würdest jeden Tag dein Lieblingsessen bekommen. Das würde dich schon bald ziemlich langweilen.

Wichtig ist, dass dein Papagei immer sein reguläres Futter bekommt. Du solltest auf keinen Fall mit Futterentzug als Bestrafung arbeiten!

Konditioniere deinen Papagei auf deine Stimme

Wenn du einen guten Verstärker gefunden hast, dann kannst deinen Papagei entweder einen Klicker oder auf deine Stimme konditionieren.

Das ist viel einfacher, als du vielleicht glaubst.

Nehmen wir mal an, dein Papagei sitzt außerhalb seiner Voliere auf seinem Kletterbaum oder Trainingsstand.

Als erstes näherst du dich ihm langsam und reichst ihm seinen Verstärker.

In dem Moment wo er den Verstärker annimmt sagst du sofort „Gut“ – und beschränkst dich aber auf dieses eine Wort. Singe ihm keine Lobeshymnen, denn er soll den Zusammenhang zwischen dem erwünschten Verhalten, dem Futterverstärker (primärer Verstärker) und deinem „Gut“ (sekundärer Verstärker) erkennen.

Übe diesen Vorgang nun so lange, bis dein Papagei diesen Ablauf gut mitmacht.

Das kann je nach Talent deines Papageis unterschiedlich lange dauern und manchmal ist auch etwas Geduld erforderlich.

Auf keinen Fall solltest du deinen Papagei zu irgendetwas zwingen. Nur wenn er die Übungen freiwillig macht, wird sich auch ein Lernerfolg einstellen.

Wenn du diesen Grundsatz beachtest, wird dein Papagei schnell merken, dass keine Gefahr von deiner Hand ausgeht.

Übrigens: Falls du unseren Artikel zum Thema Vertrauensbildung noch nicht gelesen hast wäre jetzt ein guter Zeitpunkt dafür. Die Informationen dort werden dir später noch sehr nützlich sein.

Konditioniere deinen Papagei darauf, deinen Handzeichen zu folgen

Nun kannst du Folgendes tun:

Halte entweder deinen Zeigefinger oder einen Target Stick (kann ein China-Essstäbchen sein) vor den Schnabel des Papageis.

Keine Angst er wird nicht beißen, es sei denn er hat bereits schlechte Erfahrungen mit Händen gemacht. In diesem Fall ist es sicherer, gleich den Target Stick zu verwenden.

Berührt dein Papagei den Finger (oder den Target Stick), solltest du sofort „gut“ sagen oder mit dem Klicker klicken und dann schnellstmöglich den primären Verstärker (also das „Leckerli“) geben.

Wiederhole diesen Vorgang, bis er zu 95% klappt.

Lotse deinen Papagei von A nach B

Achte darauf, dass du nicht zu schnell mit den Übungen voranschreitest. Das klingt banal, ist aber extrem wichtig.
Wenn du deinem Papagei zu schnell zu viel beibringen willst, kann das bereits erlernte Verhalten sehr schnell kollabieren. Dann war alle Mühe umsonst.

Wenn dieser Vorgang nun klappt, kannst du das Training ausweiten, indem du deinen Papagei mit dem Stick ein paar Zentimeter nach links oder rechts dirigierst. Ziel dabei ist, dass er deinen Target Stick mit dem Schnabel berührt.

Funktioniert das noch nicht, dann bewege den Stick wieder ein kleines Stück in die Richtung deines Papageis, um den Abstand zwischen ihm und dem „Ziel“ etwas zu verringern.

Wenn du diese Übung täglich wiederholst, kannst du den Abstand zwischen Target Stick und Papagei immer mehr vergrößern. Auf diese Weise wirst du deinen Papagei schon bald von A nach B lotsen können. Und zwar durch das ganze Haus oder durch die Außenvoliere.

So steigt dein Papagei auf deine Hand, Teil 1

Nun kannst du das „Aufsteigen“ in euer gemeinsames Training einbeziehen.

Allerdings solltest du sicher gehen, dass das Target Training schon gut funktioniert. Dein Papagei sollte also schon kleine Entfernungen dem Target Stick/Finger zurück legen können.

Jetzt kannst du deine Hand ganz belanglos auf den Kletterbaum oder den Trainingsstand legen und deinen Papagei so lotsen, dass er über dieses Hindernis hinweg muss.

Das Training geht zu dem Zeitpunkt schon sehr flüssig und dein Papagei wird wahrscheinlich gar nicht merken, was er da eigentlich tut.

Man sollte natürlich einen solchen Trainingserfolg mit einem sogenannten „Jackpot“ verstärken (wieder ein Begriff aus der Tierpsychologie).

Das heisst im Klartext: Der Papagei bekommt für besondere Fortschritte einen größeren oder mehrere kleine Verstärker, zum Beispiel dann, wenn er die Hand berührt oder drüber steigt.

Zu diesem Zeitpunkt solltest du deine Hand noch nicht bewegen.

Dein Papagei soll lernen, das deine Hand nichts Böses tut. Und erst, wenn er wirklich auf der Hand steht, solltest du sein Verhalten mit dem Leckerli-Jackpot verstärken. Wenn das klappt, kannst du ein neues Signalwort oder Kommando einführen, zum Beispiel: „Auf“. Wichtig ist auch hier, dass du es direkt nach dem erfolgten Verhalten sagst, damit dein Papagei den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Belohnung versteht.

Wann ist der ideale Zeitpunkt für eine Pause?

Wichtig ist auch hier, dass du deinen Papagei nicht überforderst. Der ideale Zeitpunkt für eine Pause ist noch bevor dein Papagei keine Lust mehr hat.

Ist er nicht mehr motiviert, bringt das ganze Training nichts. Also halte die Trainingszeiten kurz und höre immer dann auf, wenn es gerade am schönsten ist, das heißt immer auf einer positiven Basis.

Wie lange du mit deinem Papagei konkret üben kannst, hängt sehr von der Persönlichkeit und der Tagsesform deines Papageis ab. Hab‘ keine Angst davor, ein Wenig zu experimentieren. Wenn du merkst, dass er gelangweilt oder gestresst wirkt, ist es Zeit für eine Pause – und beim nächsten Mal kannst du die Übung von vornherein etwas kürzer gestalten.

Was du tun kannst, wenn es nicht gleich funktioniert

Nun kann es passieren, dass dein Papagei mal nicht deinen Anweisungen folgt.

Hier kannst du einen Moment pausieren, d.h. du vesteckst deinen Target Stick und die Verstärker eine kurze Zeit hinter deinem Rücken. Dann wartest du ein paar Sekunden und schließlich gibst deinem Papagei die Möglichkeit es richtig zu machen.

Denke unbedingt daran, wirklich nur das gewünschte Verhalten zu verstärken – und unerwünschtes Verhalten zu ignorieren.

So steigt dein Papagei auf deine Hand, Teil 2

Wenn bis hierher alles funktioniert hat, kannst du deine flache Handfläche in etwa 4 cm vom Bauch deines Papageis entfernt halten und das Kommando „Auf“ geben. Falls er nicht auf die Hand steigt, kannst du deine Hand etwas tiefer halten. Am Anfang könnte dein Papagei noch etwas zögerlich sein. Das ist normal, hab‘ etwas Geduld mit ihm.

Der Trick hier ist, jeden winzigen Fortschritt zu verstärken. Das heißt, das Heben eines Fußes, das Aufstellen eines Fußes, sogar das Anschauen deiner Hand solltest du mit einem „Gut“ und einem Verstärker-Leckerli belohnen.

Dann wird sich schon bald ein Erfolg einstellen und du wirst deinem Papagei auf deiner Hand spüren.

Wann es soweit sein wird, hängt natürlich auch von der Lernfähigkeit deines Papageis ab. Es gibt eben wie bei uns Menschen.

Wenn dein Papagei diesen Trick drauf hat, kannst du hier weiter machen:

Wenn es noch nicht so gut klappt, empfehle ich dir diesen Artikeln: