So lernt Dein Papagei, einen Ring über einen Stab zu legen

Wenn Du Deinen Papagei wie ein Profi trainieren willst, kommst Du an ein paar Fachbegriffen nicht vorbei.

Im ersten Teil dieses Artikels erkläre ich Begriffe, die Papageien-Experten sehr häufig verwenden.

Im zweiten Teil erfährst Du dann, welche unglaublichen Tricks Du damit trainieren kannst. Du wirst sehen, dass es sich lohnt, die Theorie gut zu kennen – denn dann werden auch Deine Papageien sehr schnell Fortschritte bei ihrem Training machen.

Wichtige Grundlage: Die Methoden der Verhaltensforscher, Teil 2

Durch das „Shaping“ erlernt dein Papagei neue Verhaltensmuster

Wie wir beim Shaping vorgehen, haben wir ja bereits in einem früheren Artikel erklärt. Wir brechen ein Trainingsziel in viele kleine Stücke, die wir nach und nach hinzufügen und letztendlich dann den letzten Schritt verstärken. Wir gehen hier langsam vor und erst einen Schritt voran, wenn alle vorhergehenden Schritte sehr gut funktionieren. Wir trainieren mit dem Tier ein neues Verhalten.

Das „Chaining“ verbindet die Verhaltensmuster zu komplexen Abläufen

In gewisser Weise könnte man denken, Shaping und Chaining wären das Gleiche. Gucken wir aber genau, dann ist dort schon ein Unterschied: Nehmen wir mal an, unser Tier kann bereits die folgenden Verhalten ausführen. „ Sich drehen“, „winken“ und „aufsteigen“. Wenn wir nun unser Tier bitten aufzusteigen, dann gleich im Anschluss das Signal geben „ Dreh Dich“ und zum Schluss noch „Winken“, dann haben wir eine Kette von verschiedenen Verhalten gebildet, die wir natürlich dann auch entsprechend verstärken. Auch hier, das Tier wird nicht überfordert, alles kommt freiwillig und wenn unser Vogel ein solches Verhalten absolviert, dann ist auch der Jackpot, unser Superverstärker fällig!

Durch das „Generalisieren“ kann dein Papagei neu Erlerntes selbstständig anwenden

Generalisieren bedeutet, dass unser Papagei ein gelerntes Verhalten selbstständig auf andere Situationen übertragen kann. Er kann das Gelernte für sein weiteres Leben nutzen. Eine Art von Evolution? Ja, kann man so sagen. Das Tier lernt aus seiner Umwelt. Egal ob nun im Urwald oder bei uns zu Hause. Die Umwelt formt unseren kleinen Freund, so würde er im Urwald wahrscheinlich lernen, das er fürs sein geliebtes Futter sehr weit fliegen muss, er würde die Laute der Tiere dort nachahmen und nicht unsere. Er hat dieses gelernt, sei es durch Weitergabe seiner Eltern als Jungvogel, aber auch durch eigene Lebenserfahrung. Diese Lebenserfahrung ist bei uns nun einmal anders, als in der der freien Wildbahn. Im Prinzip aber, ist es nichts anderes.

Ein Beispiel für uns, ist unser „ Apportieren“. Der Papagei hat generalisiert, dass er den Legostein in unserer Hand ablegen soll und tut dieses. Er hat dadurch aber bereits die Grundlage erhalten, einen Ring (auch die entsprechende Farbe) über einen Stab zu stecken. Es fehlt ihm nur noch ein kleiner Sprung, nämlich den Ring über den Stab zu stecken und nicht wie üblich in unserer Hand abzulegen. Der Vogel kann die Verbindung von einem zum anderen Verhalten herstellen. Er generalisiert.

Jetzt kann dein Papagei den Trick mit dem Ring lernen!

Tja und da wir nun gerade dabei sind! Wie bekommen wir denn unseren Vogel dazu, dass er nun den besagten Ring über den Stab steckt. Was haben wir beim „Retrieve“ gelernt? Er legt den Stein in unserer Hand ab. Wir nehmen nun anstatt des Steines einen Ring. Der Vogel hat seine Aufgabe begriffen, er legt auch den Ring ab. Wir können nun einen kleinen Stab nehmen und ihn zwischen unsere Finger stecken, sodass einmal noch die Hand im Spiel ist, denn unser kleiner Freund möchte ja gern in der Hand ablegen. Nun ist dort dieser Stab im Weg. Mit etwas Geduld und einem entsprechenden Signal wird er auch sehr schnell den Ring über den Stab schieben. Und dann können wir mit den üblichen Trainingspielzeugen, die es ja im Fachhandel zu kaufen gibt, weiter trainieren. Unser Vogel hat diesen Vorgang bereits generalisiert und wir verfeinern dieses Verhalten in gewohnter Weise.

So schwer ist es eigentlich gar nicht oder? Es braucht eben alles seine Zeit und viel Geduld. Aber haben wir Rom an einem Tag erbaut? Wie ihr sehen könnt, ist unser Target Training sowie auch das Apportieren ein großartiges Tool für viel mehr. Auf diesen Bausteinen ruht ein ganzes Repertoire von Tricks, die ihr Eurem Schatz nach und nach beibringen könnt. Dabei könnt Ihr Eure Kreativität und auch die Eures Papageien oder Sittichs einfließen lassen und ganz neue Dinge erfinden. Für Euch und für euren kleinen Freund, denn ihm wird niemals langweilig sein und seine Intelligenz, die er eindeutig besitzt, wird gefördert. Ist das nicht toll?

Es grüßt Euch wie immer herzlich,
Eure Annita

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