Wie du das Vertrauen deines Papageis gewinnen kannst

Wenn dein Papagei dir nicht vertraut, sind Verhaltensprobleme wie Schreien, Beißen oder Rupfen nahezu vorprogrammiert.

Ohne eine vertrauensvolle Beziehung zu dir steht dein Papagei unter Stress. Und wenn dein Papagei gestresst ist, wird er sich so verhalten, dass du am Ende auch ordentlich Stress haben wirst. Und voilà: Schon habt ihr den perfekten Teufelskreis.

Ganz gleich, ob du gerade erst einen neuen Papagei in dein zu Hause aufgenommen hast – oder ob dein Papagei schon eine ganze Weile bei dir lebt… dieser Artikel soll dir dabei helfen, das Vertrauen deines Papageis zu gewinnen.

Schritt 1: Gib deinem Papagei genügend Zeit, sich einzugewöhnen

Wenn du einen neuen Papagei hast, lässt du ihm am besten erst einmal Zeit, sich einzugewöhnen. Lass ihn am Besten in Ruhe, damit er sein neues zu Hause erkunden kann. Lass ihn schauen, wo Futter und Wasser ist.

Gib ihm Zeit, seinen Käfig zu inspizieren und auch das drum herum und seine neue Familie kennenzulernen.

Das dauert normalerweise nur ein paar Tage und wenn du dich regelmäßig mit ruhiger Stimme mit deinem Papagei unterhältst und sich seinem Käfig näherst, wird er schnell merken, das ihm nichts Schlimmes passiert.

Du kannst getrost das Futter wechseln und den Käfig (oder die Voliere) reinigen.

Es kommt selten vor, aber es gibt auch Papageien, die panisch reagieren, wenn man zu nah an den Käfig kommt oder einfach nur den Raum betritt. Manche Papageien sind schon gestresst, sobald du die den Käfig reinigst oder ihnen neues Futter bringst.

Doch das ist kein Grund, zu verzweifeln. Auch zu diesen Papageien kannst du eine gute Beziehung aufbauen. Du musst nur etwas mehr Geduld haben.

Schritt 2: Zeige deinem Papagei, welches Verhalten du gut findest

Bestimmt hast du schon von dem russischen Verhaltensforscher Pawlow gehört. Seine Methode nutzen wir jetzt, um deinem Papagei zu zeigen, welches Verhalten wir uns von ihm wünschen.

Bringe in seinem Käfig ein kleines Schälchen an und zwar so, das dein Papagei das Schälchen gut erreichen kann und gleichzeitig du als Halter mühelos etwas von außen in dieses Schälchen einwerfen kannst.

Achte immer auf die Körpersprache deines Papageis. Wenn du siehst, dass er sehr aufgeregt ist, dann solltest du ihn nicht anschauen.

Nähere dich ganz langsam seinem Käfig und lass ein Leckerli in die Schale fallen. Dann, entferne dich ruhig aber zügig wieder vom Käfig. Das Leckerli wird von Tierpsychologen übrigens auch Verstärker genannt.

Beobachte nun deinen Papagei aus der Entfernung. Sobald er sich das Leckerli holt, sage sofort das Wort „Gut“.

Wenn du diesen Vorgang ein paar mal wiederholst, wird dein Papagei sehr schnell bemerken „Oh, jetzt gibt’s was Feines“!

Sobald das der Fall ist, kannst du deinen Abstand zum Käfig verkürzen. Geh einfach etwas näher an den Käfig heran, gib ihm ein neues Leckerli und sieh, wie sich dein Papagei verhält.

Holt es sich den Verstärker ohne zu zögern, dann sage sofort „gut“. Wenn er noch zögert, dann gehe wieder einen Schritt zurück, damit dein Papagei keine Angst hat. Er wird sich das Leckerli schnappen, sobald er sich sicher fühlt.

Der Sinn dieser Übung ist, dass dein Papagei das Wort „gut“ mit etwas Angenehmen verbindet – und dass er dich mit dem Wort „gut“ verbindet.

Schritt 3: Wiederhole die Übung solange, bis sie richtig sitzt

Es wird sich sehr bald zeigen, dass dein Papagei in Richtung Schälchen wandert oder sogar fliegt, sobald er dich sieht.

Dann bleib einfach stehen und wirf den Verstärker in das Schälchen. Wenn dein Papagei ihn nimmt, lobe ihn sofort wieder mit “Gut”.

Falls er das Leckerli nicht nimmt, geh lieber einen Schritt zurück. Es ist in Ordnung, wenn es ein Bisschen länger dauert, aber du wirst sehen: Diese Übung lohnt sich.

Sobald es gut klappt, kannst du die Übung ausweiten.

Schritt 4: Dirigiere das Verhalten deines Papageis mit einem Stäbchen

Wenn dein Papagei zutraulicher geworden ist, kannst du deinen Finger oder ein Stäbchen über die Schale halten.

Das Stäbchen wird auch als „Target Stick“ bezeichnet – und kann ein einfaches Holzstäbchen sein, wie man es im China-Restaurant findet. Der Begriff „Target Stick“ kommt aus der Welt des „Target-Trainings“, einer extrem wirksamen Methode, um Papageien zu trainieren und ihr Verhalten zu beeinflussen.

Warte solange, bis dein Papagei das Stäbchen mit seinem Schnabel angetippt hat.

Anschließend musst du ihn sofort mit „gut“ loben und das Leckerli in die Schale werfen.

Auf diese Weise gewöhnt sich dein Papagei daran, dich zu berühren und du schaffst eine wichtige Grundlage, um ihm viele fortgeschrittene Tricks beizubringen.

Den Ablauf kannst du beliebig erweitern, und zum Beispiel deinen Papagei von einer Seite des Käfigs zu anderen weisen.

Ganz wichtig ist, dass du niemals das Wort „Gut“ plus den Verstärker vergessen darfst. Das hat oberste Priorität!

Wenn alles gut klappt, musst du den Verstärker nicht mehr in die Schale werfen, sondern kannst ihn aus der Hand geben.

Welche Belohnungen am besten funktionieren

Das „gut“ bezeichnen Tierpsychologen auch als Brücke. Es ist für das Tier ein Zeichen „jetzt kommt gleich noch etwas hinterher“ – nämlich, der Verstärker.

Das „gut“ bereitet also deinen Papagei darauf vor, dass es gleich noch eine richtig leckere Belohnung geben wird. Dadurch lernt dein Papagei deutlich schneller.

Übrigens kannst du die “Brücke” auch durch einen Klicker ersetzen. Die Resultate werden damit genauso gut sein und es ist völlig dir überlassen, ob du mit oder ohne Klicker trainieren willst.

Du solltest immer eine Auswahl an verschiedenen Verstärkern zur Verfügung haben und dich nicht auf ein einziges Leckerli beschränken.

Wenn du jeden Tag Schokolade essen würdest, wäre das auch bald langweilig. Genauso ist es bei deinem gefiederten Freund.

Probiere immer wieder aus, was er gern frisst und schreibe die Dinge, die dein Papagei besonders mag auf eine Liste. So wirst du immer, wissen wie du deinen Papagei „bestechen“ kannst.

Es ist ganz wichtig, dass dein Papagei alles auf freiwilliger Basis tut. Schließlich musst du sein sein Vertrauen gewinnen. Das ist das A und O der Papageienhaltung. Alles muss freiwillig passieren.

Die optimale Dauer einer Trainingseinheit

Die Trainingszeiten können je nach Papagei variieren.

Manche Papageien haben sofort Spaß daran und halten 10 Minuten am Stück durch, andere wiederum wollen schon nach 1-2 Minuten eine Pause.

Passe dich deinem Papagei an und mache gegebenenfalls das Training in vielen kleinen Schritten, die über den Tag verteilt sind.

Wiederholung ist wichtig und festigt die gelernten Übungen.

Achte auch darauf, dass du nicht zu schnell voran gehst, denn wenn dein Papagei die Übung noch nicht richtig begriffen hat, werden ihn neue Tricks sehr verwirren.

Dann kann das erlernte Verhalten sehr schnell wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.

Hier ist die wichtigste Regel für die Dauer der Übungseinheiten: Du solltest mit jedem Training, wenn es am Schönsten ist!

Ich weiß aus Erfahrung, dass dieses Training wahre Wunder bewirkt und kann es dir wirklich sehr empfehlen, besonders wenn dein Papagei ängstlich ist.

Die ersten Schritte in Richtung Vertrauen kennst du jetzt. Du musst sie nur noch gehen … !

Viel Spaß und Erfolg!
Deine Annita

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